Inklusive Websites für alle: Barrierefreiheit im Web
Jeder Mensch sollte das Internet uneingeschränkt nutzen können – unabhängig von körperlichen oder kognitiven Einschränkungen. Eine barrierefreie Website ermöglicht den Zugang zu digitalen Inhalten für alle und trägt zur Gleichberechtigung in der digitalen Welt bei.
Eine barrierefreie Website verbessert nicht nur die Zugänglichkeit für Menschen mit Behinderungen, sondern steigert auch die Benutzerfreundlichkeit für alle. Sie erfüllt gesetzliche Anforderungen, optimiert das SEO und erhöht die Reichweite. Zudem stärkt sie das Image von Unternehmen und sorgt für eine zukunftssichere Webpräsenz. Barrierefreiheit ist somit eine soziale, rechtliche und wirtschaftliche Notwendigkeit.
Wer ist von Barrierefreiheit betroffen?
Barrierefreiheit im Web betrifft nicht nur Menschen mit Behinderungen, sondern verbessert die Nutzererfahrung für viele weitere Gruppen:
- Menschen mit Behinderungen – dazu gehören Seh- und Hörbehinderte, motorisch eingeschränkte Personen sowie Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen. Sie benötigen Screenreader-Kompatibilität, Tastatursteuerung, Alternativtexte und verständliche Inhalte.
- Ältere Menschen – mit zunehmendem Alter verschlechtern sich Sehkraft, Hörvermögen und Feinmotorik. Eine klare Navigation, größere Schrift und gute Kontraste helfen.
- Menschen mit temporären Einschränkungen – personen mit Verletzungen (z. B. gebrochener Arm) oder Eltern mit Kleinkindern profitieren von leichter Bedienbarkeit.
- Menschen in ungünstigen Umgebungen – dazu gehören Nutzer mit schlechter Internetverbindung oder Personen, die bei Sonneneinstrahlung Bildschirme schwer lesen können.
Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG)
Mit dem Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG) sind ab dem 28. Juni 2025 auch private Unternehmen verpflichtet, ihre digitalen Angebote barrierefrei zu gestalten. Ähnliches gilt auch in der übrigen EU. Die Regeln gelten ebenfalls für Schweizer Unternehmen, die auf dem EU-Markt tätig sind.
Nur kleine Unternehmen und Privatpersonen sind ausgenommen. Ein kleines Unternehmen im Sinne des Gesetzes ist: weniger als 10 Mitarbeitende oder höchstens 2 Mio. Euro Jahresumsatz. Rein geschäftliche Anbieter (B2B) sind ebenfalls nicht verpflichtet.
Schrift und Symbolik
Für die große Mehrheit ist Lesen ganz selbstverständlich. In Mitteleuropa liegt die Alphabetisierungsquote bei über 99 %. Trotzdem lohnt es sich auch bei diesem Thema genauer hinzuschauen. Davon profitieren Kinder, Fremdsprachige, Menschen mit Leseschwächen und neurodiverse Personen. Zudem sind Piktogramme auch bei hoher Lesekompetenz eine echte Erleichterung. Sie werden deutlich schneller vom Gehirn erfasst. Für hohe Funktionalität müssen Buchstaben und Symbolen eindeutig und unterscheidbar sein. Dabei fließen kulturelle Faktoren und die etablierten Bedeutungen von Zeichen mit ein.
Für Schrift gilt: Kontrastreiche Fibelschriften in Groß-Kleinschreibung sind am idealsten. Zeichen sollten mehr als ein Unterscheidungsmerkmal haben. Beispielsweise für q ein gespiegeltes p zu verwenden reicht nicht aus. Konkrete Anwendung findet dieses Thema bei der Entwicklung oder Aktualisierung von Corporate Designs. Die Hausschrift sowie eine Grundausstattung mit Piktogrammen gehören neben Logo und Farbkonzept sowieso in jedes zeitgemäße Erscheinungsbild. Das Konzept hierfür barrierefrei zu denken ist so gesehen kein zusätzlicher Aufwand sondern Teil der Modernisierung.
Gebärdensprache
Rund 20 % der Menschen sind beim Hören eingeschränkt. Bei etwa 3 % wird die Einschränkung als Schwerbehinderung betrachtet. Nur 0,1 % sind wirklich volltändig gehörlos. Eine Alternative zur Verständigung ist Gebärdensprache. Im deutschsprachigen Raum werden DGS, DSGS (Schweiz) und ÖGS (Österreich) verwendet. Das BFSG sieht auf der Startseite ein Video mit den grundlegenden Informationen in Deutscher Gebärdensprache vor.
Leichte oder Einfache Sprache
Die beiden Begriffe sind nicht das Gleiche. »Einfache Sprache« ist durch eine Norm (DIN ISO 24495-1:2024-03) geregelt. Sie soll Sprache den Menschen zugänglich machen, die mit anspruchsvollerer Literatur Schwierigkeiten haben. Das sind Personen mit Deutsch als Fremdsprache, niedrigem Leseniveau, Lese- und Rechtschreibstörungen (Dyslexie, Legasthenie) oder anderen geistigen Beeinträchtigungen. Was vielen nicht bewusst ist: Das betriff fast einen Viertel der Bevölkerung.
Eine besondere Form der Einfachen Sprache ist die »Leichte Sprache«. Diese ist nochmals gesondert geregelt und muss höhere Anforderungen erfüllen. Für öffentliche Einrichtungen sind grundlegende Informationen in einfacher Sprache verpflichtend. Ansonsten gelten die Bedürfnisse der Zielgruppe von Dienstleistung oder Produkt. Richtet sich das Angebot an die gesellschaftliche Breite, ist das durchaus gegeben.
Farbe
Farben haben in zwei Bereichen Einfluss auf die Barrierefreiheit. In der Wahrnehmung und in ihrer Wirkung. Bei ersterem spielt hauptsächlich der Kontrast eine Rolle. Ist dieser zu gering, wird das zum Problem für Menschen mit eingeschränkter Sicht oder Farbwahrnehmung. Beispielsweise Rot-Grünblindheit oder Tritanopie.
Die zweite Ebene ist die psychische Verfassung. So nehmen Menschen mit Depressionen oder Demenz Teile des Spektrums bedrohlich war. Bestes Vorbild für die Farbwahl ist die Natur: Welche Farbe steht in der Natur für welche Eigenschaft? Dunkle Farben sind Tiefe. Rot und Gelb übernehmen Signalwirkung. Darüber hinaus werden Farben von unterschiedlichen kulturellen Hintergründen verschieden interpretiert.
Usability — User Centered Design
Die Bedürfnisse aller im Blick zu haben ist die Basis von Nutzerzentrierung. Darum verbessern inklusiv gedachte Konzepte immer auch die Benutzerfreundlichkeit für den Standardnutzer. Elemente wie der hohe Kontrastmodus werden als Nachtmodus oder neudeutsch »Dark Mode« von vielen gerne verwendet. Gerade in dunkler Umgebung beansprucht das die Augen weniger oder reduziert den Anteil von blauem Licht in den Abendstunden. Generell verhindert ein inklusiver Ansatz, dass einem das Leben unnötig schwer gemacht wird.
Sorgfalt und Sensibilität
Bewusst, korrekt, verlässlich. Sorgfalt in der Kommunikation ist gelebte Wertschätzung. Das können Menschen spüren. Kulturelles Einfühlungsvermögen und Empathie verstärken die Zugänglichkeit weiter. Und Sorgfalt unterstützt Inklusion. Vom fehlenden Alt-Tag bis zum vergessenen Aktenkoffer auf dem Leitstreifen. Was für eingeschränkte Personen ein Hindernis ist, wirkt auch auf »Normalos« unordentlich und nachlässig. Das Beispiel zeigt, manche Themen sind hinter der Oberfläche verborgen. Eine korrekte Syntax bei Software und Websites ist erforderlich, um die Bedienhilfen von Browser und Ausgabegerät verwenden zu können.
Videos als Inklusionsbooster
Film ist das einzige Medium, welches Bild, Sprache, Bewegung und Gestik sowie Text gleich gut abbilden kann. Werden die Inhalte auf allen Kommunikationsebenen parallel gesendet, ist die Information im Video auch für Menschen mit Einschränkungen zugänglich. Das hilft besonders bei Plattformen, auf deren Barrierefreiheit man keinen Einfluss hat. Auf diesen Medien sind Videos eine gute Möglichkeit den Zugang trotzdem zu ermöglichen.